Der 1-Prozent-Status in Georgien: für wen er wirklich funktioniert
Georgiens Small Business Status besteuert den Umsatz von Einzelunternehmern mit nur 1 Prozent. Klingt nach Steuerparadies, ist aber an echte Ansässigkeit geknüpft, und Beratung fällt oft gar nicht darunter. Was wirklich gilt. Stand 2026.
Georgien wird gern als das Land mit der 1-Prozent-Steuer verkauft. Daran ist etwas dran, aber der Satz allein führt in die Irre. Der berühmte Status gilt nur für eine bestimmte Form, nur bis zu einer Umsatzgrenze, nur bei echter Ansässigkeit, und ausgerechnet beratende Tätigkeiten fallen oft gar nicht darunter. Dieser Artikel erklärt, wie der Small Business Status wirklich funktioniert und für wen er sich rechnet.
Was der Small Business Status ist
Der 1-Prozent-Satz hängt am Individual Entrepreneur (IE), also der georgischen Form des Einzelunternehmers. Wer als IE registriert ist und den Small Business Status (SBS) beantragt, zahlt 1 Prozent auf den Umsatz (nicht auf den Gewinn), solange der Jahresumsatz unter 500.000 GEL liegt (rund 170.000 Euro). Über dieser Grenze steigt der Satz auf 3 Prozent.
Wichtig zur Einordnung, weil es oft falsch dargestellt wird: Der SBS ist ein persönliches Regime für Einzelunternehmer, nicht die Körperschaftsteuer für Firmen. Die Alternative ohne SBS ist nicht eine 15-Prozent-Körperschaftsteuer, sondern die normale Einkommensteuer von 20 Prozent. Die 15 Prozent gelten für die georgische Kapitalgesellschaft (LLC), das ist ein anderes Thema.
Es gibt noch eine kleinere Stufe: den Micro Business Status mit 0 Prozent bis 30.000 GEL Jahresumsatz, allerdings ohne Angestellte.
Wie das mit dem Territorialprinzip zusammenhängt
Georgien besteuert Privatpersonen territorial: Nur georgische Quelle wird besteuert, Auslandseinkünfte bleiben grundsätzlich frei. Hier liegt der verbreitete Denkfehler. Arbeit, die Sie physisch in Georgien verrichten, gilt als georgische Quelle, auch wenn alle Ihre Kunden im Ausland sitzen. Genau dieser Umsatz wird über den Small Business Status mit 1 Prozent besteuert. Der 1-Prozent-Status ist also nicht ein Trick, um Auslandseinkommen steuerfrei zu stellen, sondern ein sehr niedriger Satz auf das Geschäft, das Sie von Georgien aus betreiben. Mehr zur Quellenfrage steht unter Local vs. Foreign Source Income.
Für wen es NICHT funktioniert
Das ist der Teil, den die meisten Darstellungen weglassen, und der teuer wird.
- Beratung fällt nicht unter den 1-Prozent-Satz. Beratende Tätigkeiten jeder Art sind vom Small Business Status ausgeschlossen, ebenso medizinische, juristische, architektonische, prüfende und notarielle Tätigkeiten sowie lizenzpflichtige Geschäfte. Viele Ortsunabhängige, die sich als Berater oder Freelancer sehen, qualifizieren also gerade nicht.
- Verdeckte Anstellung. Wenn Sie faktisch wie ein Angestellter für im Wesentlichen einen Auftraggeber arbeiten, kann die Steuerbehörde das nach dem Grundsatz Substanz vor Form (Art. 73.9.b Steuergesetz) als Anstellung umqualifizieren. Dann gilt rückwirkend der reguläre Satz von 20 Prozent plus Strafen.
Bevor Sie auf den 1-Prozent-Status bauen, muss also geklärt sein, ob Ihre konkrete Tätigkeit überhaupt qualifiziert. Das gehört vorab mit einem lokalen Steuerberater geprüft, nicht im Nachhinein.
Der häufigste teure Fehler
Wer zu spät registriert, zahlt auf alles, was vor der Genehmigung verdient wurde, den vollen Satz von 20 Prozent. Seit einer Änderung Anfang 2026 ist der Small Business Status zwar bereits am Tag der Antragstellung aktiv (vorher erst zum Ersten des Folgemonats), und es gibt nun verpflichtende monatliche Nullmeldungen. Trotzdem gilt: erst den Status sichern, dann die ersten Einnahmen erzielen, nicht umgekehrt.
Voraussetzung: echte Ansässigkeit
Der niedrige Satz greift nur, wenn Sie tatsächlich in Georgien ansässig sind und Ihre Tätigkeit dort betreiben. Als reines Papier neben einem Leben anderswo funktioniert er nicht, und er löst auch nicht automatisch Ihre Steuerpflicht im Heimatland. Wie georgische Ansässigkeit entsteht und was das für Deutsche bedeutet, steht unter Steuerliche Ansässigkeit in Georgien.
Das Wichtigste in Kürze
- Der 1-Prozent-Status gilt für Einzelunternehmer (IE) mit Small Business Status, auf den Umsatz bis 500.000 GEL (darüber 3 Prozent).
- Es ist ein persönliches Regime, die Alternative ist 20 Prozent Einkommensteuer, nicht 15 Prozent Körperschaftsteuer.
- Beratung und einige andere Tätigkeiten sind ausgeschlossen, und verdeckte Anstellung wird umqualifiziert.
- Zu spätes Registrieren kostet den vollen Satz. Seit 2026 ist der Status ab Antragstag aktiv.
- Funktioniert nur mit echter Ansässigkeit in Georgien.
Den Überblick über Georgien als Standort gibt die Seite Georgien. Die Firmen-Alternative zum IE behandelt LLC in Georgien gründen.
Quellen
- PwC Worldwide Tax Summaries: Georgia (Steuerüberblick)
- Revenue Service of Georgia (Steuerbehörde)
Dieser Artikel ist eine allgemeine Einordnung und keine Steuerberatung. Die georgischen Sonderregime ändern sich (zuletzt 2026) und hängen vom Einzelfall ab. Lassen Sie Ihre konkrete Tätigkeit vor der Registrierung von einem lokalen Steuerberater prüfen.
Geschrieben von Chris Natterer
Gründer von Globalization Guide. Ich helfe internationalen Unternehmern, sich im Ausland richtig aufzustellen: Firma, Steuern, Banking und der ganze praktische Teil rund ums Auswandern und ortsunabhängige Leben. Selbst seit 2016 unterwegs, Globalization Guide seit 2019.