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Deutsches Depot beim Wegzug: Kündigung durch den Broker, Übertrag oder Verkauf und die richtige Reihenfolge beim Auswandern

Was passiert mit dem deutschen Depot beim Wegzug?

Viele deutsche Broker kündigen das Depot, sobald Sie Ihren deutschen Wohnsitz verlieren. Was das für Ihre ETFs und Aktien bedeutet, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen und warum Sie das neue Depot vor der Abmeldung eröffnen. Stand 2026.

Chris Natterer Chris Natterer · Aktualisiert 25. Juni 2026 · 3 Min. Lesezeit

Die Steuerseite eines Wegzugs wird viel diskutiert, die banale praktische Frage selten: Was passiert eigentlich mit meinem deutschen Depot, wenn ich nicht mehr in Deutschland wohne? Die Antwort überrascht viele, denn die meisten deutschen Broker wollen Sie als Steuerausländer gar nicht behalten. Dieser Beitrag erklärt, was droht und in welcher Reihenfolge Sie vorgehen.

Die meisten deutschen Broker kündigen

Das ist die unangenehme Realität. Ein Großteil der deutschen Broker setzt einen deutschen Wohnsitz voraus und kündigt oder sperrt das Depot, sobald dieser wegfällt. Für die Broker ist ein im Ausland lebender Kunde ein Compliance-Aufwand, den viele schlicht nicht wollen. Üblich ist eine Frist von 30 bis 90 Tagen, in der Sie Ihr Depot auflösen oder übertragen müssen.

Welche Broker konkret kündigen und welche einen Umzug überleben, steht im Beitrag zu den Brokern, die den Umzug ins Ausland überleben. Kurz gesagt: Die populären deutschen Neobroker und Direktbanken sind meist nicht dabei, residency-flexible Anbieter wie Interactive Brokers schon.

Was das für Ihre Wertpapiere heißt

Wenn der Broker kündigt, haben Sie zwei Wege:

  • Übertrag (Depotwechsel) zu einem Broker, der Nicht-Residenten akzeptiert. Das ist der saubere Weg, weil Sie dabei nicht verkaufen und keine Steuer auslösen. Der Haken: Sie brauchen das Zielkonto vorher, und nach der Abmeldung ein neues deutsches Depot zu eröffnen, ist praktisch unmöglich.
  • Verkauf. Schnell, aber steuerlich heikel. Ein Verkauf vor dem Wegzug löst die normale deutsche Abgeltungsteuer aus. Ein Verkauf nach dem Wegzug fällt dagegen meist gar nicht mehr unter die deutsche Steuer, sondern unter die Ihres Ziellandes, das ist oft günstiger. Wie sich das verschiebt, steht im Überblick ETF-Besteuerung nach der Auswanderung.

Daraus folgt die wichtigste Regel der Reihenfolge.

Die richtige Reihenfolge

  1. Zuerst das neue, internationale Depot eröffnen, solange Sie noch in Deutschland gemeldet sind. Danach geht es kaum noch.
  2. Den deutschen Broker über den Steuerausländer-Status informieren, damit er die Abgeltungsteuer und die Vorabpauschale nicht weiter zu Unrecht abzieht.
  3. Die Wertpapiere übertragen, nicht verkaufen, um keine Steuer auszulösen, es sei denn, ein Verkauf nach dem Wegzug im Zielland ist für Sie ohnehin steuerfrei und gewollt.
  4. Erst dann abmelden und den Wohnsitz ins Ausland verlegen.

Wer diese Reihenfolge umdreht und sich zuerst abmeldet, steht oft vor dem Problem, kein neues Depot mehr eröffnen zu können und unter Zeitdruck verkaufen zu müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten deutschen Broker kündigen das Depot beim Verlust des deutschen Wohnsitzes, mit 30 bis 90 Tagen Frist.
  • Besser übertragen statt verkaufen, ein Übertrag löst keine Steuer aus.
  • Reihenfolge: neues Depot eröffnen, Broker über Steuerausländer-Status informieren, übertragen, dann abmelden.
  • Nach der Abmeldung ist ein neues deutsches Depot praktisch nicht mehr zu bekommen.

Quellen

Dieser Artikel ist eine sachliche Einordnung und keine Steuer- oder Anlageberatung. Broker-Regeln und steuerliche Folgen hängen vom Anbieter, Zielland und Einzelfall ab und ändern sich. Klären Sie den konkreten Ablauf vor dem Wegzug.

Chris Natterer

Geschrieben von Chris Natterer

Gründer von Globalization Guide. Ich helfe internationalen Unternehmern, sich im Ausland richtig aufzustellen: Firma, Steuern, Banking und der ganze praktische Teil rund ums Auswandern und ortsunabhängige Leben. Selbst seit 2016 unterwegs, Globalization Guide seit 2019.