Broker ohne deutschen Wohnsitz: welche den Umzug ins Ausland überleben
Die meisten deutschen Broker kündigen, sobald der deutsche Wohnsitz wegfällt. Welche Anbieter Nicht-Residenten behalten, warum Interactive Brokers der Standard ist und der Sonderfall USA. Stand 2026.
Wer auswandert, merkt schnell: Das schöne deutsche Depot beim Lieblings-Neobroker ist plötzlich ein Problem. Die meisten deutschen Broker setzen einen deutschen Wohnsitz voraus und trennen sich von Kunden, die ins Ausland ziehen. Dieser Beitrag zeigt, welche Anbieter den Umzug überleben und worauf Sie achten müssen.
Die meisten deutschen Broker steigen aus
Das Muster ist eindeutig: Verlieren Sie Ihren deutschen Wohnsitz, kündigen die populären deutschen Broker das Depot in der Regel. Ein im Ausland lebender Kunde bedeutet zusätzlichen Compliance-Aufwand (Steuerausländer-Status, ausländische Meldepflichten), den viele Anbieter scheuen.
Nach dem aktuellen Stand (2026) gehören dazu unter anderem Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net Zero, ING und DKB, die einen deutschen Wohnsitz voraussetzen und beim Wegzug kündigen. comdirect verhält sich je nach Zielland unterschiedlich und gewährt sonst meist eine Frist zur Auflösung. Behandeln Sie das als Momentaufnahme: Diese Regeln ändern sich häufig, holen Sie sich vor dem Umzug eine schriftliche Bestätigung Ihres Brokers für Ihr konkretes Zielland.
Welche Broker den Umzug überleben
Residency-flexibel und damit für Auswanderer geeignet sind vor allem:
- Interactive Brokers (IBKR): der Standard. Akzeptiert Kunden aus über 200 Ländern und Gebieten und ist der übliche Weg für die meisten Zielländer. Was IBKR für Ortsunabhängige leistet, steht im Beitrag zum Broker für Perpetual Traveler.
- CapTrader: ein deutschsprachiger Wiederverkäufer von IBKR mit deutschem Support, gleiche globale Flexibilität, bei DACH-Auswanderern beliebt.
- Daneben gibt es je nach Land Swissquote (Schweizer Banklizenz) sowie EU-orientierte Anbieter wie DEGIRO oder eToro, deren Verfügbarkeit aber von der Länderliste abhängt.
Der Sonderfall USA
Wer in die USA zieht, hat es besonders schwer: Kein deutscher oder EU-Broker akzeptiert eine US-Ansässigkeit, wegen der US-Meldepflichten (FATCA) und der Wertpapieraufsicht. In diesem Fall führt der Weg über die US-Einheit von Interactive Brokers, über eToro US oder einen klassischen US-Broker wie Schwab oder Fidelity.
Worauf Sie achten müssen
- Zuerst das neue Depot eröffnen, dann abmelden. Nach der Abmeldung ein deutsches Depot zu eröffnen, gelingt kaum, und die Eröffnung eines ausländischen Depots aus dem Ausland dauert länger. Die ganze Reihenfolge steht im Beitrag zum deutschen Depot beim Wegzug.
- Nachweise bereithalten: Adress- und Aufenthaltsnachweis im neuen Land, lokale Steuernummer, eine Selbstauskunft zur Steueransässigkeit (CRS) und ein aktualisiertes W-8BEN für US-Erträge.
- Schriftliche Zusage einholen. Es gibt Fälle, in denen ein Broker den Wohnsitz zunächst akzeptiert und das Depot ein Quartal später doch kündigt. Verlassen Sie sich nicht auf eine mündliche Auskunft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten deutschen Broker (Trade Republic, Scalable, ING, DKB und andere) kündigen beim Verlust des deutschen Wohnsitzes.
- Residency-flexibel sind vor allem Interactive Brokers und CapTrader, je nach Land auch Swissquote, DEGIRO oder eToro.
- USA: kein deutscher/EU-Broker akzeptiert eine US-Ansässigkeit, dann IBKR US oder ein US-Broker.
- Neues Depot vor der Abmeldung eröffnen, Nachweise bereithalten, schriftliche Zusage einholen.
Quellen
Dieser Artikel ist eine sachliche Einordnung und keine Anlageberatung. Broker-Regeln ändern sich häufig und hängen vom Zielland ab. Prüfen Sie den aktuellen Stand und holen Sie eine schriftliche Bestätigung ein, bevor Sie sich darauf verlassen.
Geschrieben von Chris Natterer
Gründer von Globalization Guide. Ich helfe internationalen Unternehmern, sich im Ausland richtig aufzustellen: Firma, Steuern, Banking und der ganze praktische Teil rund ums Auswandern und ortsunabhängige Leben. Selbst seit 2016 unterwegs, Globalization Guide seit 2019.